Bombastische Lage

Irgendwie hat es sicher jeder schon einmal mitbekommen, dass in der ein oder anderen Stadt ein unliebsames Überbleibsel des zweiten Weltkriegs gefunden wurde. Vor rund einem Jahr genauso auch in C-Town. Nicht all zu weit weg von meiner damaligen Arbeitsstätte. Aber auch nicht zu nah, um irgendwie davon betroffen zu sein. War wohl auch ein 250kg-Oschi. Erstaunlicherweise denkt man da: Oh schlimm. Die armen Leute, die gerade evakuiert werden müssen, bis die Bombe entschärft wird. Halb so schlimm.

Aber dann. Boom. Plötzlich ist man selbst betroffen. Nichts ahnend sitzt man auf Arbeit und checkt seine E-Mails. Da bekommt einer der Kollegen einen Anruf. Bombenfund auf dem Kaßberg. Uiii spannend. Doch nach kurzer Recherche stellt man fest, dass da genau so eine knuffige 250kg Fliegerbombe aus dem alliierten Repertoire quasi im eigenen Hinterhof liegt. Wow. Am Anfang denkt man, ach alles halb so wild, die Teile werden permanent gefunden und von einer explodierenden hat man ja auch noch nie etwas gehört. Man kümmert sich also weiter um seine Arbeit und schaut immer mal wieder danach, was da so geschieht.

Mit der verstreichenden Zeit fühlt sich das allerdings wie Außnahmezustand an. Die größte Evakuierung der Stadt in den letzten X Jahren. Freunde außerhalb des Sperrbereichs bieten einem eine Bleibe an. Obwohl irgendwie noch gar nichts passiert ist, rückt man näher. Mit Zynismus und Humor versucht man das Beste aus der Lage zu machen und tröstet sich mit der Hoffnung, dass alles gut werden wird. Denn am Ende liegt das geordnete Leben, wie man es gewohnt ist, in den Händen des Mannes vom Kampfmittelbeseitigungsdienst. Auch wenn er Bomben vermutlich nahezu im Schlaf entschärft, besteht ja auch immer eine Chance, dass da was schief geht.

Die Freude über den Erfolg ist immens. Man ist zu ausgelaugt von dem Tag zum Jubeln, kommt aber wenn auch erschöpft überaus froh und glücklich zurück in sein Heim. Fällt in sein Bett. Findet den Schlaf der Gerechten. Selbst wenn bereits wenige Tage nach diesem Vorfall, kaum jemand mehr daran denkt, so bleibt eines Gewiss: Wir befinden uns mehr als 70 Jahre nach dem Weltkrieg, der uns dies einbrockte und noch immer hält uns dieser Krieg in Angst und Schrecken. Wie sieht es da nur in Ländern aus, deren Kriege keine 10 Jahre zurückliegen und deren Know-How sowie Infrastruktur nicht so gut sind wie die unsere?

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